Fliesen im Außen- und Nichtwohnbereich

Fliesen und Platten aus keramischen Materialien sind nicht nur für den Wohnbereich geeignet, sondern können zum Teil auch als Bodenbeläge für Balkone, Garagen, Terrassen oder sogar Wege genutzt werden. Besonders im Außenbereich ist auf eine entsprechende Rutschhemmung und die Frostsicherheit der verwendeten Materialien zu achten. Für die Fliese im Außenbereich sprechen ihre Robustheit und die langanhaltend schöne Optik.

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Jeder Untergrund ist nur so gut wie seine Vorbereitung und Ausführung. Dies gilt besonders in Außenbereichen, wo zusätzlich zur Belastung auch noch die Witterung auf das Material einwirkt. Im Bereich von Balkonen oder Terrassen, die der Witterung ausgesetzt sind, gilt diese Regel besonders.

Beispielhafter Aufbau

Beispielhaft kann folgender Aufbau – unter Beachtung der genauen örtlichen Gegebenheiten – verwendet werden:

  • Betonsohle
  • Gefälleestrich (je nach Fliese 1 bis 3%)
  • Abdichtung, zum Beispiel mit Bitumen
  • Doppellagige PE-Folie
  • Drainagematte für den zügigen Ablauf von Wasser
  • Estrich
  • Balkon- oder Terassenabdichtung, Abdichtbänder an den Anschlussfugen einarbeiten
  • Fliesenkleber
  • Fliesenbelag mit Fugenmaterial

Der Fliesenkleber

Beim Fliesenkleber ist darauf zu achten, dass möglichst keine Hohlräume entstehen. Besonders geeignet ist Zweikomponentiger Flexkleber, bei dem zum Anmischen eine Flüssigkunststoff-Emulsion anstelle von Wasser verwendet wird. Bei herkömmlichen Fliesenmörteln kann es nach einigen Jahren durch den ständigen Wechsel zwischen trocken und feucht zur Verseifung kommen.  Am Anschluss zwischen Boden und Wand muss Platz für eine Bewegungsfuge aus dauerelastischem Material vorgesehen werden.

Das Gefälle

Das Gefälle richtet sich nach dem Belagsmaterial sowie nach dem Fugenanteil. Je größer dieser ist, umso größer muss auch das Gefälle sein. Empfohlen werden je nach Fliesenmaterial folgende Gefälle:

  • Feine Steinzeugfliesen mit ebener Oberfläche: 1%
  • Bodenklinker: 2%
  • Platten mit rauer und profilierter Oberfläche: 2 bis 3%

Geeignete Fliesen für Balkone und Terrassen

Fliesen, die im Außenbereich verlegt werden sollen, müssen vor allem entsprechend frostsicher sein. Als frostbeständig gilt das Material dann, wenn Temperaturschwankungen zwischen -15 und +15 Grad ohne Schäden überstanden werden. Alle Fliesen mit porösem Scherben und hoher Wasseraufnahmefähigkeit wie zum Beispiel Steingut sind für den Außenbereich ungeeignet.

Für keramische Fliesen und Platten im Außenbereich sollte eine hohe Abriebklasse (mindestens 4) verwendet werden, auch auf die gute Rutschhemmung ist zu achten. Als besonders geeignet haben sich Steinzeugfliesen erwiesen. Die Wasseraufnahmefähigkeit beträgt weniger als 3%, deshalb ist das Material sehr frostsicher. Bei der Verlegung ist allerdings auf eine besonders sorgfältige Einbettung in den Fliesenkleber und auf einen geeigneten Kleber zu achten. Durch die geringe Saugfähigkeit kann die Ansaugfähigkeit für den Zementleim vermindert und damit die Haltbarkeit auf dem Untergrund beeinträchtigt sein. Eine weitere Fliese, die gerne im Außenbereich eingesetzt wird, ist die Klinkerfliese. Diese Fliesenart wird oft auch als Grobkeramik bezeichnet, ist frostsicher und verfügt aufgrund der porösen Oberfläche auf der Rückseite über einen guten Haftverbund mit dem Fliesenkleber. Zur Grobkeramik zählen weiterhin Spaltplatten und Cottofliesen oder –platten.

Neben dem Material muss auch das Format passend ausgewählt werden. Insgesamt gilt: Je größer die zu pflasternde Fläche, umso größer darf auch das Fliesenformat sein. Hinsichtlich der Farbwahl sollte bedacht werden, dass sich dunkle Fliesen bei Sonneneinstrahlung auf Oberflächentemperaturen bis 80 Grad aufheizen können.

Fliesenoptik im Außenbereich

Hinsichtlich Fliesenauswahl und Verbund hat der Bauherr eine recht große Auswahl. Steinzeugfliesen sind in vielen Formaten, Mustern und Texturen erhältlich, auch hinsichtlich des Verbunds gibt es viele verschiedene Möglichkeiten. Wer auf dem Balkon oder der Terrasse eine Holzoptik bevorzugt und trotzdem Fliesen verlegen möchte, wird ebenfalls fündig. Die Fliesen sind in Form und Oberflächengestaltung Holz verblüffend ähnlich. Erst bei näherem Hinsehen erkennt man das verwendete Material.

Garage mit Fliesenbelag

Das Fliesen eines Garagenbodens weist einige Besonderheiten auf, die beachtet werden müssen. Insbesondere die mechanische Belastung der Fliesen ist deutlich höher als bei anderen Einbausituationen. So verfügen insbesondere Fertiggaragen häufig über einen schwingenden Boden. Wird auf einen schwingenden Untergrund ein Fliesenbelag fest verlegt, kommt es zwangsläufig zu Rissen und anderen Schäden. Garagenböden sind häufig sehr einfach aufgebaut, vielfach wird bei der Dampfbremse gespart, da es sich ja lediglich um einen unbeheizten Nutzraum handelt. Diese Einsparung kann langfristig nicht nur zu Schäden am Estrich führen. Auch ein Fliesenbelag kann in seiner Haltbarkeit beeinträchtigt sein.

Der Betonboden vorhandener Garagen ist häufig mit einer Acryllackversiegelung versehen. Dies gilt insbesondere für Fertiggaragen. Sollen nachträglich Fliesen verlegt werden, muss diese wasserabweisende Schicht entfernt werden, damit der Fliesenkleber auf dem Untergrund zuverlässig haften kann. Als ideale Fliese für den Boden in der Garage sind die frostfesten Steinzeugfliesen empfehlenswert. Die Fliesen dürfen nicht poliert sein und sollten die Abriebklassen 4 oder 5 aufweisen. Bei der Auswahl des Fliesen- und Fugenmörtels sollte auf ein salz- und säurefestes Produkt zurückgegriffen werden, ideal geeignet sind hochflexible Fliesenkleber, die eventuelle Schwingungen des Bodens abfangen können.

Mögliche Bauschäden

Geflieste Balkone oder Terrassen können häufig Probleme bereiten. In erster Linie drehen sich die Schäden um offene Fugen, Frostschäden an den Fliesen oder sich lösenden Platten. Nicht immer ist eine nichtsachgerechte Verlegung oder ungeeignete Fliesen oder Platten für die Schäden verantwortlich. Aufgrund der Temperaturschwankungen in unseren Breiten kann es zu Veränderungen an Untergrund oder Belag kommen. Dies wiederum hat dann Risse in den Fugen oder den Fliesen selbst zur Folge.

Wird der Bodenbelag im Frühjahr oder Herbst verlegt, kann es zu einer mangelnden Haftung des verwendeten Fliesenklebers kommen. Einkomponentiger Dünnbettmörtel muss vollständig austrocknen, um seine maximale Haftung zu entwickeln. In den feuchten Jahreszeiten ist dies nur schwer möglich, die Fliese oder Platte löst sich vom Untergrund. Viele Fliesenschäden im Außenbereich lassen sich durch den Einbau von Dränagematten vermeiden. Um die Feuchtigkeit von oben zu reduzieren, empfiehlt sich eine Überdachung der Terrasse beziehungsweise des Balkons.